Hardtwaldklinik II Bad Zwesten - Fachklinik für Psychogene Erkrankungen
Druckversion vom 02.03.2011
URL: http://www.hardtwaldklinik2.de/suizidale-krise-1-teil-.html

Seite: Suizidale Krise (1.Teil)


 

Suizidale Krise (1.Teil)

Suizidale Krise  (1. Teil)
Erscheinungsbild und Hypothesenbildung 

Die suizidale Krise entsteht in der Regel aus einem äußeren Konflikt, der innerseelisch eine starke Erschütterung mit dem Gefühl der Ausweglosigkeit auslöst. Diese Ausweglosigkeit ist verbunden mit dem Wunsch nach Selbstschädigung bis Selbstzerstörung - als einzigen Weg diese Krise zu überwinden und „Ruhe zu finden“. 

Die suizidale Krise besteht aus einem     

Die suizidale Krise ist damit die einseitige, resignative und destruktive Reaktion auf eine äußere, z. T. selbst herbei geführte Krisensituation. Entscheidend ist nicht die Tatsache einer Krise, sondern die Form der Krisenbewältigung: der suizidale Mensch kann nicht aktiv und konstruktiv handeln, um die Krise abzuwenden. Er kann auch nicht jemanden bitten, ihm zu helfen. In der suizidale n Krise erlebt dieser Mensch die Krisensituation als eine schicksalshafte Kränkung und Benachteiligung und als Beweis der Sinnlosigkeit seines Lebens. In einer Verkennung und Umkehrung der Beziehungsrealität ist er gekränkt, dass gerade ihm so etwas passieren muss - ein Verlassenwerden, ein Bankrott, ein Versagen in einer Prüfung.
Die suizidale Krise ist für ihn nicht der Anfang einer Wende, sondern der Anfang vom Ende. Sie ist nicht der Anstoß seine illusionäre Lebenserwartung der Realität anzupassen, sondern sich durch Selbstmord aus dem Konflikt heraus zu ziehen. Auf dem Höhepunkt der Krise zieht er sich völlig zurück und wird für aktive Außenhilfe nahezu unerreichbar.

Suizidale Krise: Die „normale“ Krise
Die suizidale Krise ist in der Regel kaum ein Problem der realen Schicksalsbelastung. Im Gegenteil, Menschen werden durch Schicksalsschläge wie z. B. im Krieg mit Verlust von Angehörigen, mit Verlust von Hab und Gut, Bedrohung, Vergewaltigung oder Vertreibung, zu ungewöhnlichen Höchstleistungen angespornt, die ihnen sonst kaum möglich wären.

Schicksalshafte reale Krisen fordern den „gesunden Menschen“ heraus. Die Krise - übersetzt: Umschlagspunkt - wird damit zur Lebenswende. Und am Ende ist das erreichte Ergebnis sogar oft besser, als die Situation zuvor, wie z. B. der Wiederaufbau eines zerstörten Landes nach dem Krieg, mit neuen wirtschaftlichen Perspektiven. Die Krise ist sogar im Leben eines Menschen eine berechtigte Herausforderung und Realitätskorrektur. Die Realanforderung, etwa durch die Trennung und das Verlassenwerden von einem Partner zwingt, vom bisherigen sozialen „Dornröschenschlaf“ aufzuwachen und alle Ressourcen zu mobilisieren für eine bessere und realitätsgerechtere Lebensperspektive. 

Die suizidale Krise als innerseelisches Problem
Die suizidale Krise beginnt bei einem Umschlag von konstruktiver Aktivität in destruktive Resignation. Sie ist weitgehend unabhängig von der Kausalität der Außenereignisse.
Die Suizidalität, die geplante Selbstzerstörung, ist damit ein fast ausschließlich innerseelisches Problem. In einigen Anteilen ist diese Reaktion sogar ein seelisches Arrangement, denn Krisenbewältigung führt in der Regel zu aktiv konstruktiven Gegenmaßnahmen. Damit ist die Suizidalität Ausdruck einer speziellen, innerseelischen Konfliktverarbeitungsstörung. 

Suizidale Krise: Hypothese der Entstehung einer innerseelischen spezifischen Konfliktverarbeitungsstörung
Wie kann sich eine suizidale Krise mit destruktiver Resignation bis Suizid mit tödlicher Selbstbestrafung als innerseelisches Problem entwickeln?
In solchen Lebensgeschichten findet man schon in der frühen Kindheit und damit der prägenden Sozialisationsphase nicht selten eine bezeichnende, widersprüchliche Eltern-Kind-Beziehungskonstellation.

So entsteht aus dem Nein zur Existenz und der kompensatorischen materiellen Verwöhnung ein passiver Versorgungsanspruch und eine narzisstische Selbstüberhöhung. Eine soziale Ablehnung wie bei einer Partnertrennung erlebt dieser Mensch dann:     

Er versucht zunächst:

Gelingt diese Strategie nicht, dann bricht diese Abwehrstrategie zusammen und führt zu einer suizidale n Krise und Handlung, als Fremdbestrafung durch Selbstbestrafung mit:

Suizidale Krise: Suizidalität und Sucht
Die Sucht mit Tabletten, Alkohol oder Drogen ist ebenfalls ein Selbstmord auf Raten. Diese Suizidalität unterscheidet sich von der hier beschriebenen durch ihren primären Lustcharakter, der Wahl des Suizidmittels z. B. Alkohol und dem geringeren Anteil an primärer und direkter Destruktivität. Die Sucht ist über das Suchtmittel dosierbar. Ihr liegt aber ebenfalls eine tiefere Konfliktvermeidungsstrategie und Realitätsstörung zugrunde. Das Ergebnis ist wie in der suizidale n Krise das Gleiche: die Sucht endet ebenfalls in ausgeprägten Fällen tödlich. 

Zu den einzelnen Schritten in die suizidale Krise und zur Therapie siehe den Artikel:
„Schritte der Destruktivität und ihre Therapiemöglichkeit“ (suizidale Krise Teil 2)

Dr. Paul Bernhard


 


Weitere Informationen

Chefarzt-Sekretariat:

Frau Jäger-Berge
Telefon 05626 88-1702
Telefax 05626 88-1833

E-Mail jaeger-berge(at)hwk2.de


Ärztlicher Direktor und Chefarzt Dr. med. Manfred Schäfer


 


© 1997- Wicker-Gruppe | Impressum |