Ein häufiges psychosomatisches Leiden ist das sogenannte Colon irritabile.
Zur Startseite der Wicker-Gruppe


 

Colon irritabile/Reizcolon

Ein häufiges psychosomatisches Leiden ist das sogenannte Colon irritabile.

Die betroffenen Patienten mit Colon irritabile klagen über häufige Bauchbeschwerden, oft krampfartig oder als dumpfen Dauerschmerz; sie fühlen sich häufig „aufgebläht“, leiden unter Völlegefühl und Blähungen, gestörtem Stuhlgang (Verstopfung und/oder Durchfall) und häufigem, fast ständigem, unangenehmen Druckgefühl im Bauch.

Kennzeichnend für die Erkrankung eines Colon irritabile ist, dass dabei keine organisch-anatomischen Veränderungen im Darm nachgewiesen werden können. Entsprechende Untersuchungen wie Darmspiegelung oder Röntgenuntersuchung des Darmes sind beim Colon irritabile unauffällig. Auch liegt keine Infektion mit Viren oder Bakterien als Ursache der Erkrankung vor. Vielmehr handelt es sich beim Colon irritabile um eine Funktionsstörung des Darmes. Meist kommt es zu verstärkten Darmkontraktionen, verstärkter Schleimbildung, Luftansammlungen oder unkoordinierten Darmbewegungen, was die Beschwerden und Schmerzen auslöst.  

Beim Colon irritabile können verschiedene Ausprägungsarten unterschieden werden: Bei der spastischen Form (spastisch = krampfartig) kommt es zu oft erheblichen Schmerzen, Verstopfung, z. T. im Wechsel mit Durchfall bei eher krampfartigen Kontraktionen des Darmes; dagegen kommt es bei der funktionellen oder psychogenen Diarrhoe (Durchfall) zu vorwiegend morgendlichen breiig-wässrigen Stuhlentleerungen ohne Blutbeimengungen, vorwiegend ausgelöst durch Stressbelastungen.

Das Colon irritabile ist eine insgesamt recht häufige funktionelle Darmerkrankung, deren Ursache in einer psychischen Störung und in einer vegetativen Fehlfunktion zu suchen ist. Angaben über die Häufigkeit variieren zwischen 30 und 60% aller Patienten, die wegen Magen-Darm-Beschwerden den Arzt aufsuchen. 

Etwa 2/3 der Patienten mit Colon irritabile Beschwerden sind Frauen. Der Beginn der Symptomatik fällt häufig ins frühe Erwachsenenalter. Die wesentliche Ursache liegt also in psycho-somatischen Fehlfunktionen: Das muskuläre System des Darmes wird von vegetativen Nerven gesteuert (vegetatives Nervensystem = Nervensystem, das nicht unserer willkürlichen Kontrolle und unserer bewussten Steuerung unterliegt). Somit reagiert der Darm sehr empfindlich auf seelische Belastungen und auf ein Ungleichgewicht zwischen Anspannung und Entspannung. Chronische Stressbelastungen mit andauernder nervlicher Anspannung, unterschwellige Ängste und Unsicherheit, auch wiederholte Enttäuschungen, Kränkungen und damit verbundene aufgestaute Aggressionen (Zorn- und Wutgefühle) können dazu führen, dass eine dauernde nervliche Überreizung und Überaktivierung vorliegt, die bei Colon irritabile Betroffenen zu den oben beschriebenen Fehlfunktionen und Beschwerden führen. Bei den Colon irritabile Patienten ist sozusagen der Darm „Ausdrucksorgan“ der seelischen und körperlichen Belastungen.

Da beim Colon irritabile keine bleibenden organischen Veränderungen vorliegen, ist die Erkrankung zunächst nicht „gefährlich“ und die Betroffenen erleben nicht selten, dass ihre Beschwerden im medizinischen Versorgungssystem nicht genügend ernst genommen werden. Die Erkrankung neigt jedoch zur Chronifizierung und geht häufig mit einem erheblichen Verlust an Lebensqualität einher.

Die Diagnose eines Colon irritabile wird gestellt, wenn die oben beschriebenen Beschwerden über einige Zeit bestehen und durch Labor- und Darm-Untersuchungen (Darmspiegelung, Röntgen) keine organischen Veränderungen nachgewiesen werden; dabei muss bei älteren Patienten vor allem ein Krebsleiden ausgeschlossen werden.  

Therapie des Colon irritabile:

Die Therapie des Colon irritabile gestaltet sich schwierig, da es wenige eindeutig und schnell wirksame Therapiemöglichkeiten gibt. Die Betroffenen müssen mit der Zeit lernen, mit ihren Beschwerden umzugehen: So ist es hilfreich, gewisse Speisen zu vermeiden, die die Beschwerden verstärken; auch können Entspannungsphasen während des Tages, körperliche Bewegung und Wärmeanwendungen hilfreich sein. Es gibt auch einige medikamentöse Therapiemöglichkeiten, die jedoch vielen Patienten mit Colon irritabile keine ausreichende Linderung bringen. Aufgrund der oben beschriebenen psycho-somatischen Verursachung der Erkrankung ist es darüber hinaus sinnvoll, diese Ursachen der Colon irritabile Erkrankung mit psychosomatisch-psychotherapeutischen Methoden zu behandeln. 

Das bedeutet, dass im Rahmen der Psychotherapie die zugrunde liegenden Konflikte, negativen Gefühle und Belastungen (z. B. häufige Angst, unbewusste Aggressivität) aufgedeckt und dem Patienten bewusster gemacht werden, damit der Betroffene allmählich lernt, mit diesen Gefühlen anders umzugehen und konstruktivere und sinnvollere Lösungsmöglichkeiten zu finden. So werden in einer sinnvollen Psychotherapie sowohl lebensgeschichtliche Ursachen und erlernte Verhaltensmuster wie auch aktuelle Lebenssituationen mit einbezogen. Die Psychotherapie besteht aus Einzel- und Gruppentherapie, in Kombination mit übenden Verfahren und Entspannungstechniken.

In der Hardtwaldklinik II werden solche psychotherapeutischen Behandlungen im stationären Rahmen angeboten, so dass auch Patienten mit Colon irritabile hier eine umfassende, ursachenorientierte und sinnvolle Therapiemöglichkeit finden können. 

Im Rahmen tiefenpsychologischer, analytisch orientierter und verhaltenstherapeutischer Gruppentherapien können der Erkrankung zugrunde liegende Belastungen und Konflikte aufgedeckt und aufgearbeitet werden. Hilfreich hinzu kommen kreative Verfahren wie z.B. Konzentrative Bewegungstherapie als körperorientiertes Verfahren sowie Musik- und Gestaltungstherapien.

Diese Gruppentherapie wird durch therapeutische Einzelgespräche individuell ergänzt. Selbstverständlich bieten wir auch die Möglichkeit

  • einer Diätberatung durch Fachpersonal und evtl. Ernährungsumstellung

  • körperlicher Betätigung

  • des Erlernens eines Entspannungsverfahrens (Autogenes Training oder Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson)

  • ergänzender physikalischer und physiotherapeutischer Behandlung

Eine kontinuierliche ärztliche Beratung und Betreuung einschließlich einer medizinischen Basisdiagnostik und auch den Möglichkeiten zu einer medikamentösen Behandlung sind hier gegeben, so dass sich die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten und -ansätze zur Therapie des Colon irritabile sinnvoll ergänzen können. Patienten mit Colon irritabile können hier aktiv an einem Gesundungsprozess mitarbeiten. Da psychische Entwicklungsprozesse aber generell Zeit brauchen, ist auch eine längerfristige ambulante psychotherapeutische Weiterbehandlung im Anschluss an die stationäre Behandlung anzustreben.

Mit den besten Wünschen
Ihr Team der HWK 2

Weitere Informationen

Chefarzt-Sekretariat:

Frau Jäger-Berge
Telefon 05626 88-1702
Telefax 05626 88-1833

E-Mail jaeger-berge(at)hwk2.de

 

© 1997- Wicker-Gruppe | Seite empfehlen | Seitenübersicht | Suche | Aktualisiert am 29.07.2013