Von einer depressiven Episode spricht man, wenn eine ausgeprägte depressive Symptomatik mindestens 2 Wochen lang anhaltend besteht.
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Depressive Episode

Von einer depressiven Episode spricht man, wenn eine ausgeprägte depressive Symptomatik mindestens 2 Wochen lang anhaltend besteht. Eine depressive Episode kann von unterschiedlicher Schwere sein. Die Verlaufsdauer ist variabel. Im statistischen Mittel ist allerdings von einer abgrenzbaren Phasendauer von 4 bis 6 Monaten auszugehen. In etwa 15% der Fälle kann die Phase einen protrahierten (verzögerten) Verlauf nehmen und zum Teil deutlich über ein Jahr betragen. Solche depressive n Episoden können praktisch in jedem Lebensalter erstmals auftreten. Die größte Häufung von Ersterkankungen findet sich jedoch im jungen Erwachsenenalter. Die Chance der Remission, d. h. des vollständigen Wiederabklingens der depressive n Symptomatik ist gut. In ca. 1/3 der Fälle bleibt jedoch unbehandelt nach Abklingen der Episode eine depressive Restsymptomatik zurück. In ca. 50 bis 75% aller Fälle bleibt es nicht bei einer einmaligen depressiven Erkrankung.  

Tritt eine weitere depressive Episode hinzu spricht man von einer rezidivierenden depressiven Störung. Kommt es im Langzeitverlauf mindestens einmal zu einer manischen Phase, so spricht man von einer Zyklothymie oder manisch-depressiven Erkrankung. Manische Phasen können vereinfacht als das Umkehrbild einer Depression verstanden werden. Sie sind z. B. gekennzeichnet durch grundlose Heiterkeit, Selbstüberschätzung, Gedankenflüchtigkeit, ein deutlich vermindertes Schlafbedürfnis, einen gesteigerten Rede-, Bewegungs- und Bestätigungsdrang.  

Die Diagnosestellung einer depressiven Episode geschieht nach der internationalen Klassifikation psychischer Störungen (ICD-10). Hier wird unterschieden nach Haupt- und Zusatzsymptomen. Anhand der Anzahl vorhandener Haupt- und Zusatzsymptome wird auch der Schweregrad einer depressiven Episode ermittelt. Etwas vereinfacht kann gesagt werden, dass bei einer leichten depressive n Episode das Leiden eines Menschen sozial und beruflich oft noch kompensiert ist und dieser Mensch unter großen Anstrengungen seinen sozialen Verpflichtungen noch nachkommen kann. Bereits bei einer mittelschweren depressive n Episode ist die Funktionsfähigkeit, z. B. im Beruf, zumindest partiell stark beeinträchtigt. Bei einer schweren depressive n Episode hingegen ist die krankheitsbedingte Beeinträchtigung derart hoch, dass ein Mensch im Allgemeinen seinen sozialen und beruflichen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen kann.  

Typische Symptome einer depressiven Episode:  

Psychische Symptome  

  •     Gefühle: Die Stimmung ist unglücklich, niedergeschlagen, bedrückt, verzweifelt und resigniert. Es kann sein, dass Jemand bei jeder Kleinigkeit in Tränen ausbricht oder aber, dass er sich tief bedrückt und verzweifelt erlebt, aber geradezu daran leidet, nicht weinen zu können. Die Bandbreite normalen emotionalen Erlebens ist stark eingeschränkt. Ein Mensch in einer ausgeprägten depressiven Episode kann sich über positive Ereignisse nicht freuen. Vielleicht kann er solches nicht einmal mehr wahrnehmen. Viele depressive Menschen beschreiben ein „Gefühl der Gefühllosigkeit“. Sie leiden daran, keine Gefühle der Liebe mehr empfinden zu können und äußern, dass alles leer, stumpf und abgetötet sei. Sie sprechen von einem „Erkalten über Gefühle“ oder einer „seelischen Mauer“, die sie umgibt.

  •      Energie/Antrieb: Depressive Menschen leiden daran, sich nicht aufraffen zu können, etwas zu tun. Der Wille zu Aktivitäten kann durchaus vorhanden sein, aber der Betreffende erlebt sich in einer depressive n Episode in hohem Maße lustlos, antriebslos, schwach und kraftlos, ohne Schwung und ohne Initiative. Er kann sich nicht aufraffen. Der „innere Schweinehund“ wird unüberwindbar groß. Manche Menschen beschreiben es als ein Gefühl, „als ob eine unsichtbare Macht einem von jeglicher Aktivität fern hält“. Entgegen dieser depressive n Hemmung, die zumindest bei schweren Depressionen auch für die Umgebung sichtbar wird, erleben viele Menschen eine starke innere Unruhe. Sie sind nervös, gestresst, gehetzt und getrieben, „wie unter Strom“. Als Versuch, die depressive Hemmung mit Willensanstrengung zu überwinden, kommt es oft zu einem hektischen Beschäftigungsdrang. Vieles wird angefangen, jedoch ohne die Tätigkeit zu einem sinnvollen Ende führen zu können.

  •      Aufmerksamkeit/Konzentration: Die Konzentration ist meistens beeinträchtigt. Eine längere konzentrierte Beschäftigung mit einer Sache wird unmöglich. Das Denken ist gehemmt, die Merkfähigkeit eingeschränkt. Die Aufmerksamkeit wird zunehmend von der Umgebung (private oder berufliche Angelegenheiten) abgezogen. Sie engt sich immer mehr auf die depressive Symptomatik ein. Es wird zunehmend schwer, sich mit mehreren Dingen gleichzeitig zu beschäftigen, man erlebt sich selbst als abwesend, mit den Gedanken woanders.

  •      Denken: Typisch für die Depression ist das grüblerische Denken. Die Gedanken drehen sich im Kreis, die immer gleichen Denkinhalte drängen sich auf. Man kommt zu keinem Ergebnis. Dabei zermürbt das depressive Denken. Es kommt zu einer Überbewertung früherer oder aktueller Ereignisse mit dem Resultat eines schlechten Gewissens. Vielleicht werden kleinere Verfehlungen aus der Vergangenheit gegenwärtig, mit der Tendenz, sich ständig vor sich selbst rechtfertigen zu müssen. Die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen, ist stark herabgesetzt. Bei einer schweren depressive n Episode kann Jemand auch bei einer banalen Fragestellung in ein grüblerisches Abwägen geraten, sich hin- und hergerissen fühlen, unfähig, zu einer Entscheidung zu gelangen.

  •      Selbstwert: In einer depressive n Episode erscheint der Betroffene sehr dünnhäutig. Er ist sehr sensibel gegenüber Kritik und fühlt sich rasch angegriffen. Er neigt unter Umständen dazu, Schuldgefühle zu entwickeln, auch dort, wo es nicht um eigenes Verschulden geht. Das Selbstwertgefühl ist insgesamt deutlich herabgesetzt. Schwer depressive Menschen erleben sich nicht selten als eine Last für ihre Umgebung und entwickeln lebensmüde Gedanken. Dies kann beginnen mit den unspezifischen Gedanken, das alles nicht mehr aushalten zu können, nicht mehr aufwachen zu wollen. Nicht selten tauchen konkrete Suizidgedanken oder -pläne auf. Ca. 50 % aller tödlich verlaufenden Selbstmordversuche werden im Rahmen depressiver Erkrankungen begangen.

  •      Zwischenmenschlicher und beruflicher Bereich: Das Interesse an Hobbys geht verloren. Es fällt zunehmend schwer, Kontakte aufrechtzuerhalten. Der depressive Mensch tritt einen Rückzug an, igelt sich ein, sagt häufig unter Vorwänden Verabredungen ab. Es fällt schwer, neue Kontakte zu knüpfen. Weil man sich nicht traut seinen Freunden mitzuteilen an einer Depression zu leiden, verstehen diese die eigenen Reaktionen oft falsch und wenden sich aus Ärger ab. An der Arbeit entsteht zunächst ein Gefühl permanenter Überforderung. Arbeiten dauern länger als sonst. Schließlich kommt es auch zu einem objektivierbaren Leistungsabfall. Das Arbeitspensum wird nicht geschafft. Nicht selten nimmt man Akten mit in den Feierabend, ins Wochenende oder in den Urlaub. Hierdurch beschleunigt sich zumeist die Abwärtsspirale depressiven Erlebens, da Regenerationszeiten zunehmend fehlen.

Körperliche Symptome:  

  •      Schlafstörungen: Einschlafstörungen können auftreten, sind insgesamt aber weniger typisch als Durchschlafstörungen, die fast bei keiner depressiven Episode  fehlen. Auf dem Höhepunkt einer schweren depressive n Episode  erwacht Jemand manchmal nach ein oder zwei Stunden bereits wieder und kann für längere Zeit nicht einschlafen. Oder aber der Schlaf bleibt ab dem ersten Erwachen oberflächlich und ist durch viele Wachphasen gestört. Gehäufte Albträume können auftreten. Morgens fühlt man sich wie gerädert, so, als habe man überhaupt nicht geschlafen.

  •      Appetit: Eine schwere depressive Episode gehen häufig mit einer Appetitlosigkeit und starkem Gewichtsverlust einher, sodass die Betreffenden nicht selten befürchten, an einem Tumor erkrankt zu sein. In anderen Fällen kommt es zu Heißhunger und folglich zu einer Gewichtszunahme (atypische Depression).

  •      Kopfdruck: Typisch für Depressionen ist ein diffuser Druck im ganzen Kopf. Es handelt sich nicht im eigentlichen Sinne um einen Kopfschmerz, bei dem es irgendwo pocht, sticht oder hämmert. Depressive Menschen beschreiben diesen Kopfdruck oft als ein Gefühl, ständig einen Helm zu tragen oder so, als sei der Schädel ständig leicht in einen Schraubstock eingespannt.

  •      Atmung: Enge im Brustkorb, Druck auf der Brust, flache Atmung, schweres Atmen und Keuchen.

  •      Herzbeschwerden: Herzklopfen, Herzrasen. Stechen und Brennen in der Herzgegend, Druckgefühl hinter dem Brustbein.

  •      Kreislauf/vegetatives Nervensystem: Hitzewallungen und Kälteschauern. Zittern. Leichtes Erröten. Kalte Hände und Füße. Temperaturüberempfindlichkeit. Blutdruckschwankungen bzw. ständig erhöhter Blutdruck. Schwindel, weiche Knie.

  •      Magen-Darm-Trakt: Übelkeit, Brechreiz und Erbrechen. Häufige Blähungen. Sodbrennen. Magendruck. Häufig Verstopfung, seltener Durchfall.

Die Behandlung einer depressiven Episode setzt eine gezielte Diagnostik voraus. Es reicht nicht aus lediglich festzustellen, dass ein Mensch depressiv erkrankt ist. Die gezielte initiale Diagnostik ist wichtig um die vielfältigen Ursachen depressiver Erkrankungen und die  unterschiedlichen Verlaufsformen zu erkennen. Zur Diagnostik einer depressive n Episode gehört immer auch eine eingehende körperliche Untersuchung und eine medizinische Anamneseerhebung. Des weiteren beinhaltet die Diagnostik die Identifizierung von individuell prädisponierenden, krankheitsauslösenden und -aufrechterhaltenden Faktoren. Schließlich geht es darum möglichst differenziert zu erfassen, wie das depressive Erleben eines Menschen  sich auf seine konkreten Lebensbezüge (Beruf, Familie, Freizeit) auswirkt.  

Immer dann, wenn eine depressive Episode durch psychosoziale Belastungsfaktoren mitausgelöst ist, wird die psychotherapeutische Behandlung einen hohen Stellenwert haben, sowohl zur Krankheitsbewältigung als auch zur Prophylaxe späterer Krankheitsrezidive (Wiederauftreten der Krankheit). Unabhängig von der angewandten psychotherapeutischen Methodik (tiefenpsychologische Psychotherapie, Verhaltenstherapie) variiert der Umgang mit dem depressiven Patienten in Abhängigkeit von Schwere und Akutheit der depressiven Episode. Akut aufgetretene schwere depressive Episoden erfordern eine therapeutische Haltung, die vergleichbar ist mit der eines Arztes bei einer ernsten körperlichen Erkrankung. Es geht um angemessene Information und Beratung, das Zusprechen von Hoffnung auf Besserung und die Einleitung einer geeigneten Medikation. Zudem gilt es dem in akuten Krankheitsphasen deutlich gesteigerten Suizidrisiko durch regelmäßige Kontakte und geeignete Überwachungsmaßnahmen Rechnung zu tragen.  

Während eine leichte depressive Episode im allgemeinen rein psychotherapeutisch behandelt werden kann, gilt es als Kunstfehler einen an einer schweren depressive n Episode leidenden Patienten eine medikamentöse Behandlung vorzuenthalten. In vielen Fällen ist die Behandlung mit Antidepressiva Ermessenssache. Hier sollte der Pat. über Chancen und Risiken  (Nebenwirkungen) einer medikamentösen Behandlung ausreichend informiert werden, so dass er selbst in der Lage ist, Entscheidungen mit zu treffen.  

Außerhalb ganz akuter Krankheitsphasen stellt die psychotherapeutische Behandlung einer depressive n Episode jetzt größere Anforderungen an den Patienten. In einer Psychotherapie geht es darum, gemeinsam mit dem Patienten zu erarbeiten, welche Bedingungen in seinem individuellen Fall zur Auslösung bzw. Aufrechterhaltung einer depressive n Episode geführt haben. Hier unterscheiden sich Verhaltenstherapie und tiefenpsychologische Therapieverfahren in ihren Grundannahmen und der Behandlungsführung.  

In der Verhaltenstherapie geht es weniger darum, in der Vergangenheit liegende Ursachen für eine depressive Episode aufzudecken. Vielmehr wird versucht, ungünstige Verhaltensmuster und Denkgewohnheiten, deren sich die Patienten meist gar nicht bewusst sind, zu identifizieren. Unter Anleitung des Psychotherapeuten lernt der Patient dann, andere, günstigere Verhaltensweisen zu entwickeln und einzuüben. So kann sehr kleinschrittig beispielsweise versucht werden, einen Patienten anzuregen, seinen sozialen Rückzug ein wenig aufzugeben und wieder unter Menschen zu gehen, seine Arbeit wieder aufzunehmen oder in angemessener Abstufung alltägliche Verrichtungen wieder zu bewältigen. Depressive Selbstzweifel, Selbstanklagen und negative Ansichten über andere Menschen und über sich selbst werden eingehend besprochen. Mit Hilfe des Therapeuten kann der Patient so allmählich lernen, seine negative (depressive) Sicht der Dinge gegen eine neutralere oder positivere Haltung einzutauschen.  

Tiefenpsychologische Therapieansätze gehen zwar auch davon aus, dass Lernvorgänge in der Depressionsentstehung eine Rolle spielen. Sie messen diesen aber eine etwas geringere Bedeutung bei. Als zentral werden hier bestimmte Konflikte früherer Lebensphasen angesehen, die nicht angemessen bewältigt werden konnten und jetzt im Erwachsenenleben eine krank machende Wirkung entfalten. Im therapeutischen Gespräch wird die depressionsauslösende Konfliktsituation identifiziert. Dabei geht es nicht alleine um eine äußere, sozusagen objektivierende Beschreibung der Konfliktsituation, sondern vor allem darum zu erhellen, wie die betroffene Person subjektiv auf ihrem persönlichen Lebenshintergrund die Situation erlebt hat. Oft ermöglicht erst das Verständnis lebensgeschichtlich prägender Konfliktsituationen, die gefühlsmäßige Dimension des Aktualkonfliktes angemessen zu verstehen.  

Beispiel: Ein 47-jähriger Angestellter kommt mit den Symptomen einer mittelgradigen depressive n Episode in eine Rehabilitationsklinik. Er berichtet, dass die depressive Symptomatik mit nur kurzer Verzögerung aufgetreten sei, nachdem sein Abteilungsleiter ihm den schon lange zuvor besprochenen Urlaub aus betrieblichen Gründen gestrichen habe. Der pflichtbewusste und ehrgeizige Mitarbeiter verzichtete auf den Urlaub, entwickelte aber nach kurzer Zeit bereits Schlafstörungen und dann das Vollbild einer depressive n Episode. Der aktuelle Konflikt ist unschwer zu identifizieren. Es geht um einen Widerstreit zwischen Wünschen nach Ruhe, Erholung und Urlaub auf der einen Seite und auf der anderen Seite dem Pflichtgefühl, seiner Arbeit nachzukommen und für Interessen der Firma einzutreten.

Allein die Betrachtung des aktuellen Konfliktes vermag allerdings nicht zu erklären, warum dieser Mitarbeiter eine Depression entwickelt. Das vertiefte Gespräch zeigt, dass der Mitarbeiter durchaus Verständnis für die betriebliche Situation aufzubringen vermag. Er sieht ein, dass nicht alle Mitarbeiter in Urlaub gehen können, weil ein großes und wichtiges Projekt abgeschlossen werden muss. Er empfindet allerdings die Tatsache, dass sein Urlaub gestrichen wurde, als willkürlich und schikanös. Die erweiterte Anamneseerhebung unter tiefenpsychologischen Gesichtspunkten erbringt schließlich wichtige Hinweise auf biografisch bedeutsame Konflikte des Patienten mit seinem Vater. Dieser wurde als manchmal willkürlich strafend und schikanös erlebt. So habe sich der Patient bereits in frühen Jahren abgewöhnt, sich allzu offen auf etwas zu freuen, weil ihm sein Vater durch Verbote dann massiv einen Strich durch die Rechnung gemacht habe. Er habe die Verbote nicht eingesehen. Rebellion sei aber zwecklos gewesen. Schließlich habe er sich in sein Schicksal gefügt und resigniert. Erst auf diesem Verständnishintergrund wird verstehbar, dass die sachlich begründete Verschiebung eines Urlaubes auf subjektivem Bedeutungshintergrund gleichgesetzt wurde mit Willkür und Schikanierung. Massive Gefühle von Enttäuschung, Kränkung, Ärger und Wut waren den Patienten in der aktuellen beruflichen Konfliktsituation nicht bewusstseinsfähig. Sie blieben verdrängt und erfuhren eine „Wendung gegen das eigene Selbst“ in Form depressiver Symptombildung. Die tiefenpsychologischen Therapieverfahren gehen davon aus, das der Patient eine wesentliche Hilfe dadurch erfährt, dass er mit seinen abgewehrten Gefühlen wieder in Berührung kommt. Hierdurch erweitert sich das Spektrum emotionaler Reaktionsmöglichkeiten. Der Patient kann durch die größere Vielfalt ihm zur Verfügung stehender Emotionen soziale Situationen besser meistern, Konfliktspannungen besser ertragen, was beides zu einer (antidepressiven) Selbstwertsteigerung führt.  

Die Behandlung der depressiven Episode in der Hardtwalklinik II  

Die  Hardtwaldklinik II ist eine  psychotherapeutisch/psychosomatische  Rehabilitationsklinik mit mehr als  25-jähriger Tradition. Pro Jahr werden etwa 2000 Patienten im Rahmen durchschnittlich 6-wöchiger Heilverfahren behandelt. In den vergangenen Jahren machten verschiedene Formen depressiver Erkrankungen jeweils knapp mehr als 50 % der Hauptdiagnosen aus. Nimmt man Haupt- und Nebendiagnosen zusammen, so leiden etwas mehr als 2/3 aller Patienten an verschiedenen depressiven Störungen. Bei etwa 600 bis 700 unserer Patienten wird als Haupt- oder Nebendiagnose eine depressive Episode unterschiedlichen Schweregrades diagnostiziert.  

Behandelbar in der Klinik sind prinzipiell alle depressiven Episoden sofern nicht:

-   schwere Selbstmordgedanken vorliegen, die zur Handlungsausführung drängen, was eine intensive Überwachung erforderlich macht.

-   die Depression so stark ausgeprägt ist, dass ein Erkrankter nicht mehr in der Lage ist, selbstständig basale Alltagsverrichtungen (Aufstehen, Körperpflege, Nahrungszufuhr etc.) zu bewerkstelligen oder

-   die Konzentration nicht ausreicht, um psychotherapeutische Gespräche zu führen.  

Nach Aufnahme wird eine eingehende medizinische und psychotherapeutische Diagnostik durchgeführt. Diese umfasst eine ganzkörperliche Aufnahmeuntersuchung (vor allem internistischer und neurologischer Status), ein Laborscreening, eine ausführliche krankheitsbezogene und eine biografische Anamnese, die Erstellung eines psychischen Befundes und einer Verhaltensanalyse bzw. eine psychodynamische Hypothesenbildung zur Krankheitsentstehung. Ggf. kommen testpsychologische Untersuchungen zur Anwendung.  

Wesentliches Merkmal einer stationären psychotherapeutischen Behandlung ist immer zunächst einmal die Entlastung von häuslichen und beruflichen Verpflichtungen. Erst in einer solchen Entlastung kann bei vielen Patienten eine wirksame Psychotherapie in Gang kommen. Die psychotherapeutische Behandlung in der Hardtwaldklinik II ist im Regelfall immer eine Kombination aus hochfrequenter Gruppenpsychotherapie und begleitenden einzelpsychotherapeutischen Gesprächen. Bei der Gruppentherapie wechseln sich jeweils sprachliche Verfahren (analytisch-interaktionelle Therapie oder verhaltenstherapeutische Depressionsgruppe) ab mit einem Kreativverfahren (Gestaltungstherapie, konzentrative Bewegungstherapie oder Musiktherapie).  

Bei der Gruppentherapie depressiver Patienten sind nach unserer Erfahrung die von I. D. Jalom beschriebenen allgemeinen Wirkfaktoren einer Gruppentherapie von besonderer Bedeutung. Der depressive Patient wird in einer Therapiegruppe auf Gleichgesinnte und  damit auf Verständnis stoßen. Kontrastierend zu häuslichen oder betrieblichen Vorerfahrungen, demzufolge man ihm nicht glaubte, erkrankt zu sein, wirkt das Verständnis von Mitpatienten entlastend. Das Miterleben der Besserung der depressiven Symptomatik bei Mitpatienten wird Hoffnung vermitteln, die eigene Depression zu überwinden, ebenso wie die gehörten Berichte der Bewältigung früherer Krankheitsphasen. Die Gruppe bietet zudem Möglichkeiten, aus den gehörten Krankheitsberichten Eigenes wieder zu entdecken und mit Hilfe fremder Rückmeldungen die eigene Lebensgeschichte besser verstehen und  einordnen zu können. In der sozialen  Matrix der Gruppe können eigene ungünstige Verhaltensmuster erkannt werden. Zugleich stellt dies den Beginn dar, neuere und günstigere Techniken des mitmenschlichen Umgangs zu entwickeln. Insgesamt bietet die Gruppentherapie neben der Chance zum vertieften Verständnis der eigenen Depression die Möglichkeit zu korrigierenden emotionalen Erlebnissen.  

Wichtiger  Bestandteil eines stationären  Heilverfahrens sind verschiedene Informations- und Vortragsveranstaltungen, die sich im engeren und weiteren Sinn mit Fragen der Depression und Depressionsbewältigung beschäftigen. Obligatorisch ist das Erlernen der Grundzüge eines Entspannungsverfahrens. Gestufte sportliche Aktivitäten, Terrainwanderungen in freier Natur, Schwimmen (und Saunieren) stellen wichtige Angebote dar, den eigenen Körper wieder in positiver Weise zu erleben.

Eine obligatorische Anamneseerhebung und ärztliche Untersuchung sollen Aufschluss darüber geben, ob körperliche Erkrankungen oder pharmakologische Nebenwirkungen vorliegen, die eine Depression begünstigen. Ggf. wird ärztlicherseits eine medikamentöse antidepressive Behandlung eingeleitet oder eine vorbestehende Therapie modifiziert. Es erfolgt eine individuelle Beratung darüber, ob und warum eine begleitende psychopharmakologische Behandlung als sinnvoll erachtet wird. Die Psychopharmakotherapie geschieht nach den Leitlinien der wissenschaftlichen Fachgesellschaften.  

Ein wesentliches Augenmerk wird in unserer Klinik, unserem Grundverständnis als Rehabilitationseinrichtung folgend, auf die konkreten Auswirkungen einer Depression auf den privaten und beruflichen Alltag gelegt. In Zusammenarbeit mit Sozialpädagogen und kliniksexternen Rehabilitationsberatern ermitteln wir frühzeitig, ob nach der stationären Behandung noch ein Bedarf an weiteren Rehabilitationsmaßnahmen bestehen wird. Soweit möglich, werden solche Maßnahmen in der Klinik nicht nur vorbesprochen, sondern auch bereits eingeleitet.

Ihr Dr. Manfred Schäfer
Chefarzt der HWK II

Weitere Informationen

Chefarzt-Sekretariat:

Frau Jäger-Berge
Telefon 05626 88-1702
Telefax 05626 88-1833

E-Mail jaeger-berge(at)hwk2.de

 

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