Erschöpfung kann mit einer Vielzahl von Ursachen in Verbindung stehen. Sie kann Ausdruck einer schweren körperlichen Erkrankung sein, sie kann jedoch auch mit „nur“ seelischen Belastungen korrelieren.
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Erschöpfung

Erschöpfung kann mit einer Vielzahl von Ursachen in Verbindung stehen. Sie kann Ausdruck einer schweren körperlichen Erkrankung sein, sie kann jedoch auch mit „nur“ seelischen Belastungen korrelieren. Es ist daher in jedem Fall erforderlich, nach den genauen Ursachen zu forschen. Eine medizinische und biographische Anamnese und Befundung gehört daher in die Diagnostikphase, bevor eine entsprechende individuelle Behandlung erfolgen kann. 

Erschöpfungssymptome 

Einen Erschöpfung szustand kennt wohl jeder Mensch in unterschiedlichem Ausprägungsgrad. Wir wissen, dass nach einer Phase anhaltender sowohl psychischer als auch physischer Anstrengung in der Regel die Kräfte nachlassen und eine Regenerations- bzw. Erholungsphase notwendig wird, um sich wieder zu stärken. Dieser Zyklus ist an sich ein normaler Vorgang, der unserer physiologischen und emotionalen Struktur entspricht. 

Was passiert jedoch, wenn eine psychophysische Anstrengung zu lange andauert, wenn erste Anzeichen übersehen werden, die darauf hindeuten, dass die Erholungsphase dringend erfolgen sollte? 

Wir beobachten als Ausdruck einer Erschöpfung eine Vielzahl von Symptomen wie z.B. 

  • Müdigkeit und Schlafstörungen

  • Konzentrationsstörungen

  • sozialer Rückzug

  • depressive Stimmungsbilder

  • somatoforme Störungen

  • zunehmende familiäre und berufliche Konflikte u.a.

Erschöpfung als Resultat einer hohen körperlichen oder psychischen Anstrengung ist oft verbunden mit einer hohen Leistungsmotivation und einem ausgeprägten Verantwortungsgefühl, sowohl im beruflichen als auch im sozial-familiären Kontext. 

So kann im Beruf eine Dauerbelastung entstehen, wenn z.B. die arbeitsplatzbezogenen Umstände so sind, dass über einen längeren Zeitraum mehr Arbeit auf einem Einzelnen lastet und zunächst keine Veränderung oder Entlastung in Aussicht steht. Der innere Motor wird höher gedreht bei immer kürzeren Erholungsphasen. Häufig finden sich auch durch die Art der Arbeit, besonders in den Dienstleistungs- oder helfenden Berufsbildern, die oft mit einer hohen Identifikation, Idealismus und altruistischen Motiven in Hinblick auf die Arbeitsinhalte einhergehen, schleichende
Erschöpfung sprozesse, die zunächst nicht bemerkt werden. 

Die Motivation, über die bestehenden psychophysischen Grenzen zu gehen, nährt sich aus der mit der Tätigkeit verbundenen Anerkennung. Dies wiederum hat zunächst auch einen durchaus selbstwertstabilisierenden Effekt. Die Neigung, sich noch mehr aufzubürden, kann dann zwar berufliche Erfolge begünstigen, verringert jedoch langfristig auf drastische Weise die Leistungsfähigkeit. 

Die berufsbezogene Erschöpfungssymptomatik drückt sich in dem immer häufiger auftretenden Burn-out-Syndrom aus. 

Ein überaus häufiger Belastungsfaktor liegt auch in der Familie, z.B.

  • wenn ein Familienmitglied einen Angehörigen über einen längeren Zeitraum pflegt, ohne auf eigene Bedürfnisse und Ressourcen ausreichend zu achten.
     

  • Oder die alleinerziehende Mutter muss neben der Erziehungsleistung ihres Kindes für den Unterhalt sorgen und ihre Energie fließt vollständig in die soziale und materielle Sicherung.

Häufig beobachten wir jedoch auch bei der Neigung zur Überforderung eine Verknüpfung mit persönlichen Merkmalen, wie z.B. ein besonders ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein und eine hohe Leistungsbereitschaft, die lebensgeschichtliche Ursachen haben. So können hohe eigene Leistungsansprüche mit wahrgenommenen Elternerwartungen oder einem Familienwunsch zusammenhängen.  

Aber auch eine anhaltende Arbeitslosigkeit kann ein psychischer Stressor sein, insbesondere dann, wenn hohe Anstrengungen unternommen wurden, die Situation aktiv zu verändern. Bleibt der Erfolg aus, entsteht oft Enttäuschung und Wut, die dann jedoch depressiv verarbeitet werden mit der Folge eines depressiven Erschöpfungszustands mit innerer Ratlosigkeit, sozialem Rückzug und einer zunehmend resignativen Haltung. 

Erschöpfung kann auch nach einer längeren körperlichen Krankheit entstehen oder hiermit zusammenhängen (z.B. Infektionen, Krebs, postoperative Zustände u.a.). 

Wie kann die Behandlung von Erschöpfung aussehen? 

Um den Teufelskreis „Anstrengung-Überarbeitung-zu-wenig-Regeneration- Erschöpfung“ zu unterbrechen, ist es häufig sinnvoll, aus dem beruflichen und privaten Alltag für eine bestimmte Zeit auszusteigen. Nach einer Phase der psycho-physischen Stabilisierung kann dann in einem weiteren Schritt überprüft und aufgearbeitet werden, welche beruflichen, privaten Bedingungen als auch lebensgeschichtliche Aspekte die Entwicklung einer Erschöpfung ssymptomatik begünstigten. 

Behandlungsmöglichkeiten bei Erschöpfung in einer psychosomatischen Fachklinik 

In der Abteilung Psychotherapie und Psychosomatik der Hardtwaldklinik I kann ein Behandlungsansatz verfolgt werden, der Körper, Psyche und Geist als zusammenhängend betrachtet. Entsprechend aufgebaut ist das Therapiekonzept mit erlebnis- und erfahrungsorientiertem Vorgehen, entspannungsfördernden Elementen sowie spezifischen kreativen und stabilisierenden therapeutischen Ansätzen. 

Dieses ganzheitliche Vorgehen in der Behandlung wird letztlich den unterschiedlichen Facetten der Symptomatik gerecht.

Das klinische Behandlungskonzept bei Erschöpfung beinhaltet drei Phasen:  

  • Diagnostik

  • Therapie und

  • Neuorientierung

Erst nach einer ausführlichen Anamnese stellen wir eine Diagnose, die sich auf den aktuellen psychophysischen Zustand bezieht und entwickeln hiernach einen individuellen Behandlungsplan. Je nachdem, in welchen ursächlichen Kontext wir die Symptomatik der Erschöpfung stellen, liegt dann der Schwerpunkt der nachfolgenden Therapie.

So kann bei vordergründig körperlicher Erschöpfung ein ressourcen- und entspannungsförderndes therapeutisches Vorgehen besonders indiziert sein. Sehen wir jedoch eher einen Zusammenhang mit biographischen Themen, familiären oder beruflichen Konflikten, eignet sich für die Behandlung insbesondere ein interaktionelles, problemorientiertes therapeutisches Vorgehen, mit dem auf psychotherapeutischer Ebene an den jeweiligen Konfliktthemen „gearbeitet“ werden kann. 

Ziel der Behandlung ist die Bewusstwerdung der „ungesunden“ Verhaltensweisen und mit Hilfe kreativer und gestalterischer Ansätze die Entwicklung alternativer Möglichkeiten, mit Stressoren umzugehen. Aus klinischer Erfahrung geht es hierbei häufig um eine verbesserte Abgrenzungsfähigkeit, die Erfahrung eigener Bedürfnisse und deren Realisation und um eine Vertiefung vorhandener Ressourcen sowie das Erschließen neuer Kraftfelder. 

Im Rahmen des in der Regel mehrwöchigen stationären Therapiesettings ist auch die Erprobung eines veränderten und „gesünderen“ Verhaltens möglich, da die Therapiegruppen häufig Realitäten abbilden, wie sie im familiären oder beruflichen Alltag erlebt werden. 

Am Ende der Behandlung sollte die Reduktion der psychophysischen Erschöpfung ssymptome stehen. Durch die erlebnis- und erfahrungsorientierte therapeutische Vorgehensweise kann Selbstvertrauen und Zuversicht gestärkt werden für einen Transfer eines veränderten Verhaltensrepertoires in die häusliche Umgebung. 

Doris Hoppe
Dipl.-Psychologin
Psychotherapie und Psychosomatik

Weitere Informationen

Sekretariat der Abteilung Tiefenpsychologische Psychotherapie
Integrative Gestalt- und Traumatherapie

Frau Weber
Telefon 05626 88-1757
Telefax 05626 88-1857
E-Mail gestalt(at)hwk2.de

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