Nesselsucht ist eine kurz andauernde, akute Quaddelbildung, die sich vorwiegend im Gesichtsbereich bemerkbar macht.
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Nesselsucht/Urticaria

Die Nesselsucht gehört zu den sogenannten endogenen Hauterkrankungen.

Nesselsucht ist eine kurz andauernde, akute Quaddelbildung, die sich vorwiegend im Gesichtsbereich bemerkbar macht. Sie zeichnet sich durch unterschiedlich große, meist rote Hautschwellungen und einen starken Juckreiz aus. 

Psychosomatische Faktoren bei der Krankheitsentstehung der Nesselsucht 

Die Haut wird oft als "Ausdrucksorgan" für psychische Konflikte ("Spiegel der Seele") angesehen. Sie übt auf andere Menschen in ihrer Struktur eine große Wirkung aus. Es wird behauptet, dass man an der Hautbeschaffenheit einiges über den körperlichen und auch den seelischen Zustand eines Menschen ablesen könne. Dieser Zusammenhang kann jedoch nur im individuellen Einzelfall wirklich nachgewiesen werden. Vorschnelle Rückschlüsse, ohne eine Krankengeschichte zu kennen, sind unzulässig und können zu negativen psychischen Reaktionen führen. Die allgemeine Annahme, eine Hauterkrankung habe etwas mit dem seelischen Zustand eines Menschen zu tun, darf also erst nach Abklärung aller möglichen körperlichen Ursachen  in eine konkrete seelische Diagnose überführt werden.

Mögliche psychische Krankheitsursachen einer Nesselsucht 

Im bevorzugten Bereich der Konfliktverarbeitung haben an Nesselsucht erkrankte Menschen oft besondere Fähigkeiten entwickelt.

Vielfach finden sich bei den Patienten schwierige Beziehungseinstellungen im Kontaktbereich (Nähe-Distanz-Problem). Oft herrscht eine verminderte Offenheit mit einer Tendenz zur Überanpassung mit Unterdrückung von Aggression. Die Gedanken sind eher beherrscht durch einseitige und  negative Vorstellungen und Erwartungen. Es können auch sexuelle Probleme eine Rolle spielen.

In der Vorgeschichte von Patienten mit Nesselsucht findet man manchmal frühe Defizite im körperlichen und sinnlichen Erlebnisbereich (Wärme und Geborgenheit durch die Eltern kamen häufig zu kurz). Mütter werden oft ablehnend und kalt, Väter als ungeduldig beschrieben. Der Sauberkeit kommt meist große Bedeutung zu. Die Beziehung der Eltern untereinander bleibt, dem Kind oft unklar, so dass eine innere, emotionale Verunsicherung folgen kann.

Bei Patienten mit Nesselsucht traten zeitweise in ihrer Anamnese starke seelische Konflikte auf. Manchmal findet sich eine heftige Erregung auf Basis der Persönlichkeitsstruktur und eine verhaltene (und auch verdrängte) Aggressivität und Neigung zu Wutausbrüchen. Dies sind dann Menschen, die sich selbst nicht helfen und sich gegen Angriffe von außen nicht wehren können. 

Stationäre Psychotherapie der Nesselsucht in der Hardtwaldklinik II: 

In der Anfangsphase der Behandlung bei Nesselsucht geht es darum, dass zwischen der Patientin/dem Patienten und der Bezugstherapeutin/dem Bezugstherapeuten eine tragfähige therapeutische Beziehung entsteht. Das Therapieprogramm bei PatientInnen mit Nesselsucht wird abgestimmt und gemeinsam festgelegt. Dies bedeutet auch, dass begleitende Maßnahmen wie ein Entspannungsverfahren, sportliche Aktivitäten sowie physikalische Maßnahmen vereinbart werden.

Gruppenpsychotherapie:

Die Gruppenpsychotherapie ist Hauptbestandteil der Behandlung in der Hardtwaldklinik II. Hierbei handelt es sich um analytisch orientierte, aber auch analytisch-interaktionelle Gruppen mit zwei Sitzungen pro Woche à 90 Minuten. In den analytisch orientierten Gruppen soll ein psychodynamisches Verständnis für die Verursachung der endogenen Hauterkrankungen (z. B. Nesselsucht) deutlich werden, aber auch die Beziehungsaspekte im Sinne von Übertragungs- und Gegenübertragungsreaktionen. Interaktionell bedeutet, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der Gruppe in intensiven Kontakt kommen, Erfahrungen austauschen, über ihr Befinden berichten und sich gegenseitig Rückmeldungen geben.  

Kreativtherapie:

Die Kreativtherapie findet ebenfalls im Gruppensetting statt, wobei Musiktherapie, Konzentrative Bewegungstherapie und Gestaltungstherapie zur Anwendung kommen. In diesem Rahmen können die Patientinnen/Patienten, die an Nesselsucht leiden, lernen, ihr inneres Erleben, ihre Gefühle besser zu spüren, ihren Körper besser wahrzunehmen und sich in Beziehungen zu anderen zu erleben.

Bei bestimmten Indikationen, dies ist jedoch ein Ausnahmefall, kann ein Kreativverfahren im Einzelsetting verordnet werden.

Abgesehen davon gibt es in der Hardtwaldklinik II Gruppen mit Problemlösenden Ansätzen (z. B. Adipositasgruppe, Arbeitslosengruppe, Suchtinformationsgruppe), verhaltenstherapeutische Gruppen (z. B. Angstgruppe, Selbstsicherheitstraining) sowie eine milieutherapeutisch ausgerichtete Großgruppe. Auch das Entspannungsverfahren der progressiven Muskelrelaxation nach Jacobson erfolgt in der Gruppe. 

Einzelpsychotherapie:

Hier handelt es sich um tiefenpsychologisch fundierte aber auch stützende Einzelgespräche, die Frequenzvariiert einmal in Abhängigkeit vom Grad der bestehenden Erkrankung aber auch vom Therapieziel der Patientinnen/Patienten. 

Sportliche Aktivitäten und physikalische Maßnahmen:

Diese werden individuell mit der Bezugstherapeutin/des Bezugstherapeuten besprochen und vereinbart. Hierbei handelt es sich um Angebote wie Fitnessgymnastik, Stretching, Badminton, Wassergymnastik, Wirbelsäulengymnastik sowie Kneipp’sche Anwendungen. 

Freizeitbereich:

Hier besteht die Möglichkeit an alternativen Angeboten wie Terrainwandern, Musikwerkstatt, Gestaltungstherapie, Körperwahrnehmung, informativen Vorträgen durch unsere Psychologen teilzunehmen. 

Ihr Team der Hardtwaldklinik II

Weitere Informationen

Chefarzt-Sekretariat:

Frau Jäger-Berge
Telefon 05626 88-1702
Telefax 05626 88-1833

E-Mail jaeger-berge(at)hwk2.de

 

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