
Übersicht:
| 1. "Persönlichkeitsstörungen" - was ist das und woher
kommen sie? 2. Welche (häufigen) Persönlichkeitsstörungen werden unterschieden? - Ängstliche (vermeidende/selbstunsichere) Persönlichkeitsstörungen - Abhängige (dependente) Persönlichkeitsstörungen - Schizoide Persönlichkeitsstörungen - Histrionische Persönlichkeitsstörungen - Narzisstische Persönlichkeitsstörungen - Zwanghafte Persönlichkeitsstörungen - Emotional instabile (Borderline) Persönlichkeitsstörungen - Dissoziative Identitätsstörung („Multiple Persönlichkeit") 3. Was kann man tun bei Persönlichkeitsstörungen? 4. Wie sieht unser Behandlungsangebot aus? |
1. "Persönlichkeitsstörungen" - was ist das und woher kommen sie?
Was Persönlichkeitsstörungen genau sind, ist nicht ganz so leicht zu definieren, denn wo hören „charakterliche Eigenheiten" auf und wo fangen „Persönlichkeitsstörungen" an? Hierdurch wird bereits klar, dass es in diesem Bereich keine scharfen Grenzen gibt, sondern eine Gewichtung vorgenommen werden muss, wenn es um die Frage geht, ob die Diagnose von Persönlichkeitsstörungen gestellt werden muss.Allgemein gesagt sind die Symptome bei Persönlichkeitsstörungen ähnlich denen anderer psychischer Störungen, wie z. B. Depressionen oder Angststörungen, nur dass sie schwerwiegender und tiefgreifender in die Persönlichkeit eingegraben sind.
Abhängig davon, wie die Umstände und Bedingungen in der Kindheit waren, kann jemand sich „normal" entwickeln oder in seiner Entwicklung und Entfaltung mehr oder weniger stark gestört werden. Macht jemand z. B. die Erfahrung, dass unterwürfiges Verhalten erwünscht und gefordert wird, während Impulse zu mehr Eigenständigkeit, zu mehr Autonomie unerwünscht sind und bestraft werden, kann sich hieraus eine innere Haltung entwickeln, sich im späteren Leben überall möglichst anzupassen und zu glauben, die tatsächlichen oder vermeintlichen Forderungen anderer immer erfüllen zu müssen.
Dies muss der oder dem Betroffenen gar nicht unbedingt bewusst sein. Da eigene Wünsche und Bedürfnisse hierfür aber oft unterdrückt werden müssen, kann jemand auf Dauer immer bedrückter werden und schließlich die Symptome einer Depression entwickeln. Liegt die Störung auf einer tieferen Persönlichkeitsebene, so kann sich jemand entwickeln, der immer unselbstständiger und abhängiger und hierdurch schließlich in seiner Lebensgestaltung eingeengt ist. Diese Persönlichkeitsstörungen sind dann die Grundstruktur, die ihrerseits zu Leiden und Beeinträchtigungen im persönlichen Leben, in der Beziehungsgestaltung, in der Familie und im Beruf führen kann. Gleichzeitig bildet sie den „Nährboden" für immer wieder auftretende Krisen.
Persönlichkeitsstörungen sind also gekennzeichnet durch tiefgreifende Störungen der persönlichen „Grundstruktur„ des Menschen.
Sie beeinträchtigen die Betroffenen erheblich in ihrer Lebens- und Beziehungsgestaltung, wodurch sie selbst und/oder ihre Umgebung leiden. Es gibt also nicht nur eine Form von Persönlichkeitsstörungen, sondern es werden verschiedene Persönlichkeitsstörungen unterschieden, die unten noch genau aufgeführt werden.
Da die „Grundstruktur", das „Fundament" der Persönlichkeit bei den Betroffenen gestört ist, treten häufig auch weitere Störungen auf, die auf diesem „Nährboden" gedeihen, wie z. B. zusätzliche Depressionen, Angststörungen, Essstörungen und dergleichen mehr. So können die Betroffenen dann unter Persönlichkeitsstörungen und gleichzeitig z. B. unter einer Angststörung leiden (Prinzip der „Komorbidität").
2. Welche (häufigen) Persönlichkeitsstörungen werden unterschieden?
- Ängstliche (vermeidende/selbstunsichere) Persönlichkeitsstörungen
Sie sind gekennzeichnet vom tiefgreifenden Gefühl der eigenen Unzulänglichkeit, verbunden mit einer hieraus resultierenden ständigen Ängstlichkeit und Sorge, von anderen kritisiert und abgelehnt zu werden. Dies kann dann zu starkem sozialen und/oder beruflichen Rückzug führen.
(„Ich traue mich nicht meine eigene Meinung zu sagen, da ich dann bestimmt abgelehnt werde".)
- Abhängige (dependente) Persönlichkeitsstörungen
Hier wird das Bild beherrscht von der tiefgreifenden Angst, verlassen zu werden und alleine nicht zurechtzukommen. Daher werden persönliche Bedürfnisse denen Anderer untergeordnet und Entscheidungen an Bezugspersonen verwiesen. Hiermit verbunden sind dementsprechend auch starke „Anklammerungstendenzen" und ausgeprägte Wünsche nach Umsorgtwerden.
(„Allein bin ich völlig hilflos, daher überlasse ich meinem Partner alle wichtigen Entscheidungen".)
- Schizoide Persönlichkeitsstörungen
Sie sind geprägt von innerer Kühle und Distanziertheit, häufig gepaart mit Misstrauen anderen gegenüber, was dann häufig auch zu sozialem Rückzug („Einzelgänger") bis hin zur Isolation führen kann. Gefühle werden als problematisch erlebt und möglichst gemieden bzw. als solche nicht wahrgenommen. Gleichzeitig besteht eine Neigung zu übermäßiger Beschäftigung mit eigenen Phantasien und Gedankengebäuden (starke Introvertiertheit). Betroffene können zunehmend unter den „fehlenden" Gefühlen leiden, da hierdurch die menschliche Lebendigkeit verloren geht, und unter der zunehmenden Einsamkeit und Isolation.
(„Ich lasse niemanden an mich rankommen und komme am besten alleine klar. Trotzdem fühle ich mich oft einsam".)
- Histrionische Persönlichkeitsstörungen
Typischerweise lassen sich hier heftige, schnell wechselnde Gefühle mit dem Hang zu starkem Ausdruck („theatralisch", „dramatisch") finden, verbunden mit dem großen Bedürfnis nach Aufmerksamkeit. Hierdurch bedingt wird auch eine übertrieben starke Beschäftigung mit der eigenen äußerlichen Attraktivität. Schwierig kann es werden, wenn z. B. durch das natürliche Altern das innere Selbstwertgefühl über äußerliche (jugendliche) Attraktivität nicht mehr ausreichend gestützt werden kann. Leid kann weiterhin auch durch Schwierigkeiten entstehen, sich nicht auf länger dauernde tiefer gehende Beziehungen einlassen zu können.
(„Auf mein Aussehen und meine Wirkung auf andere lege ich ganz großen Wert und kann es kaum ertragen, wenn ich nicht beachtet werde".)
- Narzisstische Persönlichkeitsstörungen
Hier sind Gefühle der eigenen Großartigkeit („Größenselbst") kombiniert mit dem ausgeprägten Bedürfnis nach ständiger Bestätigung und Bewunderung durch andere. Kritik kann dementsprechend nur schlecht ertragen werden und Bedürfnisse anderer werden häufig nur insoweit wahrgenommen, wie sie der eigenen Bestätigung, dem eigenen Selbstwert, nützen können. Das eigene innere Empfinden kann dabei starken Schwankungen unterliegen zwischen Größenphantasien („Ich allein kann es am besten") und dem Gefühl völliger Wertlosigkeit („Ich bin wirklich das Letzte"). Diese starken Schwankungen können schwer erträglich sein. Häufig fehlt dabei eine realistische Einschätzung der eigenen Stärken und Schwächen um die eigene (nur allzu menschliche) Mitte. Mangelt es an genügender Anerkennung, droht das Gefühl einer großen inneren Leere, die unaushaltbar scheint und daher „um jeden Preis" gemieden werden muss.
(„Ich bin ein ganz besonderer und außergewöhnlicher Mensch, was von vielen nur nicht richtig anerkannt wird. Dann bin ich ein Nichts, was ich nicht ertragen kann".)
- Zwanghafte Persönlichkeitsstörungen
Charakteristisch für diesen Typ der Persönlichkeitsstörungen ist der übergroße Drang nach Ordnung und Genauigkeit. Alles muss seinen „festen Platz", seine „feste Ordnung", seinen „festen Ablauf" haben. Bereits geringe Störungen von außen auf den geplanten Tagesablauf können zu erheblichen Irritationen führen. Häufig ist dies verbunden mit dem Ehrgeiz, möglichst perfekt zu sein, um Fehler zu vermeiden. Verbunden mit einer Zwangsstörung können auch Zählzwänge, Waschzwänge und andere Kontrollrituale auftreten. Dies kann zu Schwierigkeiten in der Bewältigung beruflicher Anforderungen führen und ebenso zu Schwierigkeiten in zwischenmenschlichen Beziehungen, wenn alles nur nach festgelegten Schemata ablaufen darf. Abweichungen und Unvorhersehbares können starke Ängste hervorrufen.
(„Ich bin sehr ordentlich und gewissenhaft und werde oft nur unter großen Anstrengungen mit den gestellten Aufgaben fertig".)
- Emotional instabile (Borderline) Persönlichkeitsstörungen
Sie sind charakterisiert durch einen schnellen Wechsel starker Emotionen und dem Gefühl des ständigen hin und her Gerissenseins, der inneren Zerrissenheit. Das eigene Selbstbild ist oft schwankend und brüchig, die Beziehungen zu anderen Menschen sind instabil und nicht selten chaotisch. Häufig finden sich zusätzliche Störungen („Komorbidität") wie ausgeprägte Ängste, Depressionen, Suchterkrankungen, Essstörungen und Selbstschädigendes Verhalten. All dies erzeugt häufig einen großen Leidensdruck bei den Betroffenen.
(„Meine Gefühle für meine PartnerIn schwanken ständig zwischen glühender Liebe und abgrundtiefem Hass. Vielleicht sollte ich mich lieber wieder von ihr trennen. Mich selbst kann ich oft auch überhaupt nicht leiden, ich halte diese innere Spannung nicht mehr lange aus".)
- Dissoziative Identitätsstörung („Multiple Persönlichkeit")
Die schwerste Ausprägung sogenannter „dissoziativer" Störungen ist die „Dissoziative Identitätsstörung". Hier sind „innere Anteile", die jeder Mensch kennt, so stark ausgeprägt, dass sie wie eigenständige (Innen-) Personen wirken und von Außenstehenden auch wiedererkannt werden. (Lesen Sie auch unseren Informationsartikel „Posttraumatische Störungen").
(„Ich bin nicht eine, ich bin viele")
3. Was kann man tun?
Meistens führen äußere Anlässe wie Verluste von Menschen, aber auch z. B. des Arbeitsplatzes, zu Krisen, in denen die Betroffenen therapeutische Hilfe benötigen. Dies müssen aber nicht immer gravierende Anlässe sein, sondern gerade durch die Persönlichkeitsstörungen selbst können sich Krisen entwickeln, da durch die Persönlichkeitsstörungen z. B. das Arbeitspensum nicht mehr geschafft werden kann und deswegen der Arbeitsplatz verloren geht. Weiterhin können durch die Persönlichkeitsstörungen Konflikte in den mitmenschlichen Beziehungen auftreten und wenn diese, ebenfalls wieder bedingt durch die Persönlichkeitsstörungen, nicht gelöst werden können, sondern sich immer mehr verschärfen, kann dies zu Partnertrennungen und Rückzug von Freunden mit Vereinsamung führen. Zunächst kann ambulante Psychotherapie hilfreich sein. Häufig reichen deren Möglichkeiten mit vielleicht einem Gespräch pro Woche jedoch nicht aus und dann bedarf es der Herausnahme aus dem häuslichen Umfeld, um in dem schützenden Behandlungsangebot einer auf die Behandlung dieser Störungsbilder spezialisierten multiprofessionellen Fachklinik mit intensiver individueller therapeutischer Hilfe Wege aus der Krise zu finden.
4. Wie sieht unser Behandlungsangebot aus?
Grundlage unseres Behandlungsangebotes ist unser ganzheitlich-humanistisches Menschenbild. Daher behandeln wir nicht „Defizite„, sondern versuchen einem individuellen Menschen bei der Lösung seiner ganz persönlichen Probleme zu helfen. Wir verbinden deshalb störungsspezifische mit ganzheitlichen Ansätzen, in denen insbesondere die Selbstheilungskräfte und Ressourcen der Menschen im Vordergrund stehen. Mit unserer therapeutischen Hilfe versuchen wir die „gesunden" Seiten der Betroffenen zu stärken und zu aktivieren, um in einem lösungsorientierten Vorgehen die Krise überwinden zu können. Diese ganzheitlich-humanistische Überzeugung findet auch in unserer therapeutischen Haltung ihren Ausdruck, da sich in der Therapie auch zwei Menschen begegnen, die sich um Lösungen für ein Problem, um Wege aus einer Sackgassen bemühen.
Unser integratives therapeutisches Angebot besteht dabei aus einer Kombination aus Einzel- und Gruppentherapie. Die spezifischen Therapieangebote sind eingebettet in eine wohlwollende und annehmende therapeutische Haltung, der auch die Atmosphäre unserer therapeutischen Gemeinschaft entspricht.
Die Behandlung gliedert sich dabei in 3 Phasen:
- Diagnostikphase
- Intensive Behandlungsphase
- Abschlussphase
In einer ersten komprimierten Diagnostikphase geht es in persönlichen Gesprächen zunächst um die Kontakt- und Beziehungsaufnahme zwischen den Betroffenen und ihren TherapeutInnen. In diesen Gesprächen werden die Probleme und Schwierigkeiten und deren Hintergründe erarbeitet, die zur Krise und schließlich zur stationären Aufnahme geführt haben. Diese therapeutischen Anamnesegespräche werden durch entsprechende Fragebögen ergänzt. Durch all diese Informationen kann dann die Behandlungsdiagnose z. B. einer Persönlichkeitsstörung gestellt werden.
Weiterhin gehören zu dieser Diagnostikphase eine gründliche medizinische Anamnese mit entsprechender körperlicher Untersuchung und ggf. weitere medizinische Diagnostik ( z. B. Labor, EKG).
Diese Diagnostikphase ist sehr dicht und komprimiert, damit für die Betroffenen möglichst schnell ein individuelles Behandlungsangebot erstellt werden und die eigentliche Behandlungsphase möglichst rasch beginnen kann.
Gemäß unseres ganzheitlich-humanistischen Menschenbildes beruht unser Schwerpunkt in der eigentlichen Therapiephase auf einem integrativen Ansatz. Dies bedeutet, dass in unserem kombinierten Einzel- und Gruppentherapieangebot sowohl „verbale" („Gesprächstherapie") wie auch primär „non-verbale" Angebote einen wichtigen Stellenwert haben. Neben der sprachlichen Bearbeitung von Themen und Problemen spielen daher die (Re-) Aktivierung von Phantasie, Kreativität und auch von körperlichen Kraftquellen bei uns eine große Rolle. Da viele Menschen ihren Körper häufig „vernachlässigen", bieten wir eine Vielzahl von Möglichkeiten an, um sich mit dem Körper wieder vertrauter zu machen, ihn wieder zu stärken. Dies beinhaltet zunächst allgemein aktivierende Angebote wie angeleitetes Wandern, Joggen, Walken, da die hohe Wirksamkeit solcher Aktivitäten bereits wissenschaftlich belegt werden konnte. Unsere Angebote enthalten weiterhin spezifische Sportangebote wie Stretching und Wirbelsäulengymnastik, gezielte (Einzel-) Physiotherapie („Krankengymnastik„), Yoga, Tai Chi, bis hin zur integrativen Bewegungstherapie, in der wir versuchen, „die Sprache des Körpers" zu verstehen und uns mit seiner „Weisheit" vertraut zu machen. In der integrativen Kunst- und Gestaltungstherapie und der integrativen Musiktherapie versuchen wir Zugänge zu (verschütteten) Potentialen der Phantasie und Kreativität zu finden, um mit all diesen Potentialen Wege zu finden, die Krise zu meistern. Insbesondere haben (verdrängte) Gefühle bei uns eine hohe Bedeutung, was inzwischen auch unter dem Stichwort „emotionale Intelligenz" Einzug in die Wissenschaft gefunden hat. Für geschlechtsspezifische Themen bieten wir eine therapeutische Frauen und Männergruppe an. Stehen Arbeitsplatzprobleme im Vordergrund, so können diese in einer speziellen Indikationsgruppe bearbeitet werden. Hier finden auch Themen wie Mobbing und Burnout ihren Raum.
Neigt sich die intensive Behandlungsphase dem Ende entgegen und rückt die Entlassung näher, so ist es wichtig, sich wieder auf die häusliche und berufliche Alltagssituation einzustellen und die Entlassung sorgfältig vorzubereiten. Dies steht in dieser Abschlussphase im Mittelpunkt der therapeutischen Maßnahmen. Stehen berufliche Schwierigkeiten zur Klärung an, so bieten wir auch Hilfe über unsere Sozialberatung bis hin zur Empfehlung medizinisch-beruflicher Rehabilitationsmaßnahmen etc. an.
Durch unser dichtes und vielfältiges integratives Therapieangebot lassen sich Krisen überwinden und die Chance, die in jeder Krise steckt, kann sichtbar und genutzt werden.
Haben Sie Interesse an weiteren Einzelheiten? Besuchen Sie doch unsere Homepage unter Integrative Gestalttherapie/Traumatherapie oder rufen Sie uns an. Unser Sekretariat gibt Ihnen unter den Nummern 05626 - 88 17 57 gerne Auskunft.
B. Landgrebe
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Aktualisiert am 08.06.2011