Psychogene Anfälle sind anfallsartige Ereignisse, bei denen Bewegungen, Empfindungen oder Zustände auftreten, die epileptischen Anfällen ähneln, jedoch durch psychische Prozesse und nicht durch epileptische neuronale Störungen verursacht werden.
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Psychogene Anfälle

Was sind psychogene Anfälle - nicht epileptische Anfälle -  = PNEA? 

Psychogene Anfälle sind anfallsartige Ereignisse, bei denen Bewegungen, Empfindungen oder Zustände auftreten, die epileptischen Anfällen ähneln, jedoch durch psychische Prozesse und nicht durch epileptische neuronale Störungen verursacht werden. Es ist wichtig, die Diagnose möglichst früh exakt zu stellen und insbesondere gegenüber eines echten epileptischen Anfallsleidens abzugrenzen, damit eine wirksame Behandlung eingeleitet werden kann und nicht etwa fälschlicherweise mit Medikamenten gegen Epilepsie behandelt wird (etwa ¾ aller Patienten mit PNEA wurden zunächst mit antiepileptischen Medikamenten behandelt. 

Psychogene Anfälle repräsentieren eine mit erheblichen gesundheitlichen sowie sozialen Konsequenzen und gesellschaftlichen Kosten verbundenen Erkrankung. Eine korrekte Diagnose muss von neurologischen Fachärzten/Fachkliniken u. a. durch EEG (Hirnstrommessung), Beobachtung oder Videoaufzeichnung der Anfälle sowie andere Spezialverfahren gestellt werden. Dabei deuten verschiedene Eigenschaften eines Anfalls darauf hin, dass es sich um einen psychogenen nicht epileptischen Anfall handeln könnte (z. B. geschlossene Augen, Dauer von mehr als 10 min. Länge, Veränderbarkeit durch Ansprache, Kopfschütteln oder asynchrone Arm- und Beinbewegungen etc.). 

Immerhin besteht die Erkrankung an psychogenen Anfällen - nicht epileptischen - bei 2 bis 33 von 100.000 Menschen, jährlich erkranken in der Bevölkerung ungefähr 3 von 100.000 Menschen an psychogenen Anfällen. Das Manifestationsalter der Anfallserkrankung liegt zumeist zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr, ¾ aller Patienten sind Frauen.

Es wird davon ausgegangen, dass psychogene Anfälle zumeist unwillkürlicher äußerer Ausdruck einer seelischen Störung sind. Häufig können sie daher auch durch Suggestion provoziert oder durch gute Zusprache beendet werden. Die psychogenen Anfälle werden zu den dissoziativen Erkrankungen (Erkrankungen mit veränderten Bewusstseinszuständen) oder zu den somatoformen oder Konversionsstörungen gerechnet (= Erkrankungen mit einer psychogenen Körperstörung als Ausdruck eines seelischen Konfliktes).

Bei vielen Patienten mit psychogenen Anfällen liegen psychische Erkrankungen vor:

  • psychosomatische Erkrankungen (somatoforme Störungen)

  • dissoziative Störungen (veränderte Bewusstseinszustände)

  • affektive Erkrankungen (Störungen von Gefühlen und Stimmungen, z. B. Depressionen)

  • posttraumatische Belastungsstörungen (Störungen nach schwerwiegenden Belastungsereignissen)

  • Angststörungen

  • Persönlichkeitsstörungen

  • in manchen Fällen auch hirnorganische Störungen.

Dabei gibt es in vielen Fällen Hinweise auf soziale oder intrafamiliäre Konfliktsituationen, in der Vorgeschichte wird auch oft von sexuellem oder körperlichem Missbrauch berichtet. 

Therapie der psychogenen Anfälle:

Wenn eine exakte Diagnose gestellt und eine epileptische Erkrankung ausgeschlossen ist, ist die psychotherapeutische Behandlung die Therapie der Wahl, da psychogene Anfälle nicht wie eine echte Epilepsie vor allem mit Medikamenten behandelt werden. Dabei muss die Behandlung jeweils auf den einzelnen Patienten abgestimmt werden. Dabei ist zu klären, ob aktuelle Konfliktsituationen vorliegen und ob bzw. welche psychischen Erkrankungen den Anfällen zugrunde liegt (Depression, Angststörung, posttraumatische Belastungsstörung oder anderes). Die psychotherapeutische Behandlung wird kurzfristig einen sinnvollen Umgang mit der Erkrankung vermitteln und langfristig ursachenorientiert (Konfliktlösung, Behandlung der Gefühls- oder Persönlichkeitsstörung) arbeiten. Dabei sind verschiedene psychotherapeutische Behandlungsformen erfolgreich, insbesondere tiefenpsychologische, analytisch-orientierte und kognitiv-verhaltenstherapeutische Therapieansätze. Die Behandlung kann zeitweise pharmakologisch unterstützt werden.  

Therapie von psychogenen Anfällen in der Hardtwaldklinik II: 

In der Hardtwaldklinik II werden mit den oben beschriebenen Behandlungsansätzen ein breites Spektrum von psychogenen Erkrankungen behandelt, so auch die Störungen, die psychogene n Anfälle n zugrunde liegen können (s. oben Persönlichkeitsstörungen, Depressionen, Angststörungen, posttraumatische Belastungsstörungen, somatoforme Störungen u.ä.).

Dazu werden in der Hardtwaldklinik II verschiedene Behandlungsmethoden kombiniert: Kern der Therapie ist die Gruppentherapie, wobei unterschiedliche Verfahren, wie psychoanalytisch orientierte, verhaltenstherapeutische, psychodramatische oder gestalttherapeutische Elemente zur Anwendung kommen. Kombiniert werden damit kreativtherapeutische Gruppenangebote wie Konzentrative Bewegungstherapie (KBT), Gestaltungstherapie und Musiktherapie. Hinzu kommen eine individuelle Betreuung sowie stützende und konfliktzentrierte Einzelgespräche. Regelmäßig erlernen die Patienten ein Entspannungsverfahren (Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson, PMR), was den psychotherapeutischen Entwicklungsprozess und die Bewältigung der Symptomatik unterstützt. Durch körperliche Aktivierung in Form von sporttherapeutischen Angeboten, gegebenenfalls Physiotherapie (entspricht Krankengymnastik) sowie evtl. individueller Beratung (Diätberatung, Sozialberatung etc.) wird das Behandlungsprogramm individuell ergänzt. Dabei ist auch der stationäre Behandlungsrahmen mit der veränderten Allgemeinsituation, der Herausnahme aus den üblichen Alltagsbelastungen und der Distanz zu möglichen Konfliktsituationen (z.B. am Arbeitsplatz, in der Familie) ein wesentlicher Wirkfaktor. Auch eine kontinuierliche ärztliche Betreuung ist gewährleistet. 

So können in der Hardtwaldklinik II psychogene Erkrankungen, denen psychogene Anfälle zugrunde liegen können, wirksam behandelt werden; da psychische Entwicklungs- und Gesundungsprozesse aber generell Zeit brauchen, wird in vielen Fällen eine längerfristige ambulante psychotherapeutische Weiterbehandlung im Anschluss an die stationäre Therapie sinnvoll und notwendig sein, um den begonnenen Gesundungsprozess weiterzuführen. 

Ihr Team der Hardwaldklinik II

Weitere Informationen

Chefarzt-Sekretariat:

Frau Jäger-Berge
Telefon 05626 88-1702
Telefax 05626 88-1833

E-Mail jaeger-berge(at)hwk2.de

 

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