Unser ganzheitlicher Ansatz in der Traumatherapie findet auch in unserer therapeutischen Haltung Ausdruck, die von Respekt und Wertschätzung getragen ist, und in der wir davon ausgehen, dass sich in der Therapie zwei erwachsene Menschen begegnen, die sich um Hilfe für ein „verletztes Kind“ bemühen.
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Traumatherapie

Die in unserer Abteilung durchgeführte Integrative Traumatherapie orientiert sich an dem 3-Phasen-Modell, welches sich in der modernen Traumatherapie durchgesetzt hat und den Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlich medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) entspricht:

·     Stabilisierung

·     Traumaexposition (Synthese)

·      Re-Integration und Neuorientierung  

Weiterhin basiert die Integrative Traumatherapie auf den Ansätzen von Reddemann und Sachsse und integriert Einflüsse von Shapiro, Levine, van der Kolk, Fischer, Butollo und weiteren gestalttherapeutischen Autoren.  

Die Stabilisierungsphase ist die 1. Stufe der Traumatherapie. Eine ausreichende psychophysische Stabilisierung ist die Grundlage für alle weiteren Behandlungsschritte. Diese Phase kann je nach Lebenssituation und Schwere der Problematik mit entsprechender Symptomatik unterschiedlich lang sein. Für manche schließt sich an die stationäre Stabilisierungsphase eine Traumaexposition an, für andere geht es während des gesamten stationären Aufenthaltes ausschließlich um Stabilisierung. Unser ganzheitliches integratives Traumatherapie - Angebot ist dabei stark ressourcenorientiert, das heißt, wir gehen davon aus, dass die je individuellen Kraftquellen und Selbstheilungskräfte des Menschen durch das Trauma möglicherweise verschüttet, jedoch nicht verloren gegangen sind, weshalb es gilt, diese wieder zu entdecken und sie im Sinne einer Heilung zu aktivieren.  

Was ist wesentlich in der Stabilisierungsphase der Traumatherapie?  

  • Therapeutische Haltung

  • Strukturierte Kontakte in Einzel- und Gruppentherapie

  • Sicherheit und Kontrolle

  • Kraftgewinn durch heilende Gedanken/Imaginationen

  • Körperübungen und kreative Ressourcen

  • Entspannungsverfahren/PMR

  • Verbesserung der Wahrnehmung und Achtsamkeit

Therapeutische Haltung

Unser ganzheitlicher Ansatz in der Traumatherapie findet auch in unserer therapeutischen Haltung Ausdruck, die von Respekt und Wertschätzung getragen ist, und in der wir davon ausgehen, dass sich in der Therapie zwei erwachsene Menschen begegnen, die sich um Hilfe für ein „verletztes Kind“ bemühen. 

Getragen von dieser annehmenden Haltung werden viele Symptome, die den Betroffenen heute Leid verursachen, als früher sinnvolle Bewältigungsstrategien verstanden, die „damals“ überlebenswichtig waren. Im Erwachsenenleben wirken sich diese Symptome aber häufig als störend aus und beeinträchtigen zum Teil schwerwiegend die persönliche berufliche und private Beziehungsgestaltung. Aus einer annehmenden und ganzheitlichen Sicht betrachtet können diese - heute dysfunktionalen - Verhaltensweisen als für das damals traumatisierte Kind als sinnvolle und überlebenswichtige Bewältigungsversuche verstanden werden. Erst wenn sie wirklich verstanden und nicht mehr bekämpft werden, können sie von hilfreicheren Bewältigungsstrategien abgelöst werden.    

Strukturierte Kontakte in Einzel- und Gruppentherapie

Unser therapeutisches Angebot in der Stabilisierungsphase besteht aus einer Kombination aus Einzel- und Gruppentherapie. Die spezifischen Traumatherapie - Angebote sind eingebettet in eine wohlwollende und annehmende therapeutische Haltung, der auch die Atmosphäre unserer therapeutischen Gemeinschaft entspricht. In der Phase der Stabilisierung geht es zunächst um eine Kontakt- und Beziehungsaufnahme zwischen PatientIn und TherapeutIn, da eine vertrauensvolle therapeutische Beziehung die Grundlage zu  einem stabilen Arbeitsbündnis darstellt. Neben Gesprächen über die Problembereiche gehören hier auch Gespräche über alles, was der PatientIn Freude macht, was ihr gelingt oder gelang, über alle Ressourcen oder Kraftquellen, die ermutigen, diese auch bei sich selbst wahrzunehmen und wertzuschätzen. Wir berücksichtigen selbstverständlich gerne das Bedürfnis nach einer weiblichen Bezugstherapeutin, wobei wir in den Gruppen bewusst ein gemischt geschlechtliches Setting anbieten.  

Sicherheit und Kontrolle

Schwerpunkt der Stabilisierung in der Traumatherapie ist die Wiedererlangung von Sicherheit und Kontrolle für die Betroffenen, um wieder die Erfahrung zu machen, nicht nur hilflos aufgeliefert zu sein, wie es der traumatischen Erfahrung entspricht, sondern auch bedrängende Situationen beeinflussen und gestalten zu können. Hierzu gehört u.a. die Identifizierung und zunächst Meidung von Auslösereizen, sog. „Triggerreizen“, sowie das Erstellen von „Notfallplänen“ oder die Einrichtung  eines „Notfallkoffers“ zur  Erarbeitung eines „Stressmanagements“, um zu lernen, mit Spannungszuständen anders umzugehen, als sich z.B. selbst verletzen zu müssen. Weiterhin nimmt in der Traumatherapie die Förderung der Fürsorge für sich und das verletzte „innere Kind“ eine wichtige Rolle ein. In den Therapiegruppen werden vor allem mit Imaginationsübungen sogenannte „Copingstrategien“ vermittelt, um den Betroffenen zu ermöglichen, sich auch in Momenten der Not selber helfen zu können und nicht immer auf die Hilfe anderer angewiesen zu sein.  

Heilende Imaginationen

Der Einsatz von stabilisierenden imaginativen Techniken in der Traumatherapie dient der Stärkung und dem Aufbau von Ich-Funktionen. Hier geht es darum sich in der Vorstellung innere und manchmal äußere Räume zu schaffen, in denen man sich wohl und geborgen fühlen kann. Hier können innere Begleiter zur Selbsttröstung erfunden werden. Bilder von einem guten Ort und von hilfreichen Wesen schaffen eine Gegenwelt zu den schlimmen Bildern der Vergangenheit.

In der Traumatherapie kann man lernen, auf die Stimme der inneren Weisheit zu hören und ihr wieder zu vertrauen. Zu dieser inneren Sicherheit können die heilenden Imaginationen beitragen. Unsere Vorstellungskraft ist ein „Zaubermittel“, das wir alle zur Verfügung haben. Mit Hilfe unserer Vorstellungskraft ist es möglich, uns innere Welten des Trostes, der Hilfe und der Stärke zu erschaffen, unabhängig von der Freundlichkeit und Gewogenheit unserer Umgebung. Unsere Fähigkeit zu imaginieren ist das Hilfsmittel, das uns in Kontakt bringt mit dem Heilsamen in uns. Es kommt zu einer Regenerierung der Selbstheilungskräfte, diese zu unterstützen stellt die wichtigste Aufgabe der Traumatherapie in dieser Phase dar. Aus der Salutogenese-Forschung weiß man, das innere Bilder der sicheren Orte und der hilfreichen Begleiter in Notsituationen für den Überlebenswillen notwendig waren.

Wichtig ist es auch, ein Gleichgewicht anzustreben zwischen Leichtigkeit (froh sein und glücklich) und Schwere (Sorgen und Probleme), denn erst wenn man in Kontakt ist mit seinen inneren Kraftquellen, kann man sich auch wieder um das Leid und das Leiden kümmern. Gerade in Bezug auf die Wahrnehmung der angenehmen Seiten des Lebens, und seien sie auch noch so kurz, bedeutet Achtsamkeit ein wesentliches Element der Heilung. In der Traumtherapie geht es letztlich nicht darum, zu verdrängen und zu vergessen, sondern es geht darum, den jetzigen Moment, das Heute, wieder zur eigenen Gestaltung zur Verfügung zu haben.  

Verbesserung der Wahrnehmung und Achtsamkeit

Es gibt viele Übungen in der Traumatherapie, die die Achtsamkeit schulen. Am besten ist es, die Achtsamkeit in den Alltag zu integrieren, schon kleine Übungen können zu wertvollen Erfahrungen führen, wie z B. einmal ganz achtsam etwas zu essen, jeden Bissen genau wahrzunehmen und aufmerksam zu verfolgen, was mit diesem Bissen im Körper geschieht. Achtsam sein bedeutet gegenwärtig zu sein, sich nicht mit der Vergangenheit und nicht mit der Zukunft zu beschäftigen, sondern ganz in der Gegenwart verweilen. Hierzu gehört es auch, unsere fünf Sinne zu trainieren: Sehen, hören, riechen, schmecken und fühlen. Das achtsame Wahrnehmen unseres Körpers stärkt ihn und er dankt es, wenn  wir ihn wohlwollend zur Kenntnis nehmen, nachdem wir ihn oft jahrelang wie ein Vehikel benutzt, oft sogar über seine Grenzen belastet haben in der Erwartung, dass er zu funktionieren hat. In der Traumatherapie unterstützen sowohl Imaginationsübungen als auch Körperübungen die Achtsamkeit. Wenn diese Übungen regelmäßig durchgeführt werden, wird man bald kleine Veränderungen bemerken und sich auch lebendiger und aufmerksamer erleben.  

Körperübungen und kreative Ressourcen

Unterstützt wird dieser Stabilisierungsprozess in der Traumatherapie durch Körperübungen z.B. aus dem Qigong und dem Tai Chi und anderen strukturierenden Körpertherapietechniken, sowie durch strukturierendes kreatives Gestalten. Entsprechend unserem humanistisch-gestalttherapeutischen Ansatz der „Integrativen Traumatherapie“, für den der Mensch in seiner Ganzheit mit all seinen Wachstumsimpulsen im Mittelpunkt steht, hat die Wiederentdeckung verschütteter kreativer Potentiale einen hohen Stellenwert, der sich auch in den vielfältigen körperorientierten und kreativen therapeutischen Angeboten in unserer Abteilung ausdrückt.  

Entspannungsverfahren

Mit der traumamodifizierten Muskelentspannung (modifiziertes Entspannungstraining nach Jacobson/PMR) kann ein kontrolliertes Entspannungsverfahren erlernt werden. Da für den Abbau von Spannungszuständen auch körperliche Aktivitäten wichtig sein können, bieten wir begleitend zur Traumatherapie ein entsprechend breites sportliches Angebot an, ebenso ein moderates Ausdauertraining, das sich auch wissenschaftlich als hochwirksam für das seelische  Wohlbefinden erwiesen hat. Als spezifisches und gerichtetes Aggressionstraining steht bei entsprechender Indikation das therapeutische Boxen zur Verfügung.  

Durch dieses vielseitige und integrierte Angebot bei der Traumatherapie wird es für die  Betroffenen nach und nach möglich, die vorher unkontrollierten Gefühlsüberflutungen einzugrenzen, sich von belastenden Erinnerungsbildern immer wieder zu distanzieren und sie wissen, wie und wo sie sich Hilfe suchen können. Sie haben Selbstfürsorge kennen gelernt und können sich auf ihrem bisherigen Weg mit mehr Wohlwollen, aber auch Mit-Leid begleiten. Sie haben sinnvolle  Bewältigungsstrategien erlernt, mit deren Hilfe sie sich nun auch mit den belastenden Erinnerungsbildern im Einzelnen konfrontieren können. Zusammen mit der TherapeutIn wenden sie sich nun der 2. Phase der Traumatherapie zu.  

Weitere Informationen

Sekretariat der Abteilung Tiefenpsychologische Psychotherapie
Integrative Gestalt- und Traumatherapie

Frau Weber
Telefon 05626 88-1757
Telefax 05626 88-1857
E-Mail gestalt(at)hwk2.de

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