
Yoga in der stationären Psychosomatik
In ihrem Buch „Yoga für die Seele“ beschreibt die Schauspielerin Ursula Karven, wie sie nach dem Verlust ihres Sohnes allen Lebensmut verlor und ihn durch Yoga und Therapie wiederfand:
„und langsam habe ich es geschafft, mit Yoga und vielen Gesprächen mit Therapeuten meine Lebensenergie Stück für Stück zurück zu gewinnen.“
Wissenschaftliche Studien zeigen, dass Rückenschmerzen, Bluthochdruck, Kopfschmerzen und Schlafstörungen bei Patienten, die Yoga übten, bis zu 70 % abgenommen haben (siehe Fokus 06/2004). Wirft man einen Blick auf die Darstellung von Yoga-Übungen in Büchern und mittlerweile auch in vielen Zeitschriften, so erinnern die Übungen eher an Akrobatik und man kann kaum glauben, dass Yoga hilfreich sein soll bei der Überwindung von Kopfschmerzen und Schlafstörungen, Lebenskrisen und Traumata.
Vielleicht sagen Sie sich auch: „Ich bin nicht so gelenkig, zu dick, zu dünn, zu alt und sowieso immer unsportlich gewesen - Yoga ist bestimmt nichts für mich.“
Yoga ist weder Sport noch Gymnastik und die einzige Voraussetzung, die Sie dazu brauchen, ist, dass Sie Yoga kennen lernen und für Ihr Leben nutzen wollen. Dazu im folgenden einige Informationen zur Yoga-Lehre und Yoga-Praxis.
Was ist Yoga?
Yoga ist eine ca. 3000 Jahre alte Wissenschaft und Lehre aus Indien zur Erhaltung der körperlichen und seelischen Gesundheit. In alten Schriften (z.B. der Bhagavad Gita) werden eine Fülle von Empfehlungen gegeben zur positiven Lebensführung, Selbsterfahrung und Selbstverwirklichung. Es wird betont, dass Yoga ein Weg ist, den jeder dort beginnt, wo er steht, und die Empfehlungen wählt und nutzt, die sein Leben positiv beeinflussen.
Die Empfehlungen beinhalten Körperpflege, Körper- und Atemübungen, Ernährungsratschläge und Verhaltensregeln im Umgang mit sich selbst und den Mitmenschen.
Zwei wichtige Verhaltensregeln sind:
Gewaltlosigkeit sich selbst und anderen gegenüber
Stets den Weg der goldenen Mitte gehen
„Nicht wer zu sehr verschlafen ist, noch wer stets
wacht, wer mäßig isst und sich erholt, mäßig wirkt in Handlungen,
hat Andacht, die den Schmerz
zerstört.“
(Bhagavad Gita)
Beide Regeln gelten natürlich auch für die Ausübung der Yoga -Übungen und hier wird deutlich, dass Yoga sich von Sport unterscheidet. Es wird nicht auf ein Ziel hin trainiert, sondern jeder übt auf seiner Matte nach seinen Möglichkeiten und unter Berücksichtigung seiner aktuellen Befindlichkeit.
Der Hatha- Yoga
Der in Europa verbreiteste Yoga-Weg ist der Hatha- Yoga.
‘Ha’ bedeutet Sonne, ‘Tha’ Mond und Yoga Vereinigung.
Es geht um Verbinden und Ausbalancieren der positiven und negativen Strömungen in Körper und Seele, um den rechten Rhythmus von Spannung und Entspannung, von Tun und Lassen, Aktivität und Passivität. Wie andere Yoga -Wege versucht der Hatha-Yogi ethische Regeln zu beachten, jedoch sind die wesentlichen Bestandteile des Hatha- Yoga:
· Asana (Körperhaltungen)
· Pranayama (Atemachtsamkeit) und
· bewusste Entspannung
Asana
Asana bedeutet Körperhaltung und entstammt der Sanskrit-Wurzel (altindische Sprache). ‘As’ bedeutet so viel wie ‘bleiben’, ‘sein’, ‘sitzen’, in einer bestimmten Position eingerichtet sein.
Der Legende nach habe Shiva (indischer Gott) 84.000 Sitzweisen und Körperhaltungen ausprobiert, um festzustellen, welche Körperpositionen zur Bewahrung der Gesundheit und zur Entwicklung einer höher geordneten Selbstbetrachtung geeignet seien.
84 dieser Körperhaltungen sind heute gebräuchlich.
Verlauf einer Yoga -Stunde
Asana-Praxis
Nach einer Einstimmung übt man verschiedene Körperhaltungen, welche immer wieder andere Muskelgruppen dehnen und beanspruchen. Durch mehr oder weniger längeres Verweilen in einer Dehnhaltung wird das Blut verstärkt auch zu Organen und Drüsen geleitet und diese in ihren Funktionen positiv beeinflusst.
Nach jeder Asana ist eine kleine Pause zum Nachspüren und Abklingenlassen der Wirkungen, bevor die nächste Asana geübt wird. Während der Asana achtet man auf einen ruhigen Atem, gewaltfreies Vorgehen und das rechte Maß an Bemühungen - die goldene Mitte. So praktiziert, ist man nach einer Yoga -Stunde nicht erschöpft, sondern erfrischt.
Es geht darum, das Asana immer mehr zu werden, es zu sein, sich in die Haltung hinein begeben, sich beugen, sich verwandeln lassen. Wer Asana wahrnimmt, wird etwas erfahren über die Stellung und Befindlichkeit seiner Gelenke, Muskeln und Bänder und wird die Gesetze der Schwerkraft und der Aufrichtung kennenlernen. Er wird etwas erfahren über seinen Blutkreislauf und die inneren Organe und wird auch seine Blockaden und Grenzen einerseits, seine Möglichkeiten und Fähigkeiten andererseits erkennen.
Atemachtsamkeit
Mit den Asanas wird Weite und Durchlässigkeit im Körper geschaffen und damit mehr Raum für den Atem. Während der Asana nimmt man den Atem wahr und schickt das Ausatmen in die ungelenken Körperregionen. Indem man das Ausatmen bewusst verlängert, gestaltet sich das Einatmen voller. Spezielle Armbewegungen begünstigen einen langen, tiefen Atem.
Es gibt im Hatha- Yoga noch eine Reihe recht komplizierter Atemübungen, die jedoch nur nach langjähriger Asana-Praxis empfohlen werden.
Neben einem ernsthaften Bemühen gehören auch Gähnen, Räkeln, Heiterkeit und Lachen in eine Yoga -Stunde und sorgen für die Entspannung des Zwerchfells.
Entspannung
Am Ende einer Yoga -Stunde kommt für viele die schönste Übung, die bewusste Entspannung im Liegen. Ähnlich dem Autogenen Training werden in einer geführten Körperreise die verschiedenen Körperregionen und ihre Lage am Boden sowie der Atemfluss wahrgenommen.
Nach all der „Körperarbeit“ lässt es sich leicht entspannen und zur Ruhe kommen.
Meist breitet sich während der Entspannung eine tiefe Stille im Raum aus, die sehr erholsam ist und ein Erleben von innerem Frieden möglich macht. Nach einer Yoga -Stunde fühlt man sich körperlich und seelisch besser, irgendwie ganz und bei sich angekommen.
„Nun, man braucht nicht gleich auf dem
Kopf zu stehen, wenn man Yoga lernt.
Yoga besteht auch aus einfachen Dingen, die Du täglich tust.
Nur führst Du sie meistens
nachlässig und unbewußt aus:
Gehen, Sitzen, Aufstehen, sich
aufrecht halten ...
Gehen, Stehen .... das kann ich auch, ohne es jemals gelernt zu haben.
Ja, mein armer Freund. Man
sieht’s,:
Dein Rücken ist krumm, der Nacken verspannt, die Schultern
hochgezogen,
der Mund zusammengepreßt.
Gerade das lernst Du im Yoga, dass
Stärke Dich nicht weiterbringt.
Yoga ist ein sanfter Weg und der Weg
des Verstehens ...“.
(Leboyer 1980).
Yoga in der Hardtwaldklinik
Der Hatha- Yoga wird in den Hardtwaldkliniken seit mehr als 10 Jahren 3 bis 4 x die Woche am Nachmittag nach den therapeutischen Behandlungen angeboten. Er wird angeleitet von einer ausgebildeten Yoga -Lehrerin und kann von Patienten auf freiwilliger Basis und nach eigenem Ermessen wahrgenommen werden.
Die Yoga -Stunden sind so konzipiert, dass sowohl Yoga -Anfänger als auch Yoga -Erfahrene teilnehmen können. Das Angebot wird sehr rege wahrgenommen von den unterschiedlichsten Menschen. Natürlich wird eine ehemalige Tänzerin die Übungen anders machen als jemand, der die meiste Zeit seines Lebens sitzend verbringt.
Wesentlich ist jedoch, dass die meisten Yoga -Teilnehmer aus einer Yoga-Stunde ein gutes Körpergefühl und Körperbewusstsein, Entspannung und Gelassenheit mitnehmen und so auch Kraft gewinnen, die in den Therapien anstehenden Lebensthemen besser zu bewältigen.
Mittlerweile ist Hatha- Yoga in Deutschland sehr verbreitet, sodass jeder auch nach einem Klinikaufenthalt an seinem Heimatort in Volkshochschulen und privaten Instituten weiter Yoga -Kurse besuchen kann, wenn er dies wünscht. So kann Yoga auch zu Hause praktiziert werden und den eigenen Lebensweg positiv beeinflussen.
Literatur:
Leboyer, F.: Yoga - Weg des Lichts
Hoare, S.: Yoga - Geschichte und Philosophie
Johanna Wernz
Yoga - Leiterin
© 1997- Wicker-Gruppe |
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Aktualisiert am 08.06.2011